Ohne Ehrenamt geht es nicht!
Ob Hausaufgabenhilfe, Workshop-Angebote oder IT-Beratung, wer die ARCHE kennt, weiß, dass Vieles nur mit Hilfe des Ehrenamtes zu verwirklichen ist. Mittlerweile arbeiten rund 80 freiwillige Helfer und Helferinnen an den vier Standorten Hamburgs. An dieser Stelle interviewen wir Menschen, die sich mit Engagement und Herz, teilweise seit Jahren regelmäßig für die ARCHE-Kinder einsetzen.
Ehrenamt im Interview mit Stephanie Reschke
Heute sprechen wir mit Stephanie Reschke, die sich für das „Team Familie“ engagiert. Ein relativ junges Projekt der ARCHE Hamburg, das besonders ganzheitlich mit den Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen umgeht. Indem es die ganze Familie in den Blick nimmt. Jeweils ein Ehrenamtlicher kümmert sich hier um eine Familie – sehr gut begleitet und geschult durch die auf das Projekt spezialisierten ARCHE-Mitarbeiter. Stephanie ist selbst Mutter dreier Kinder und gebürtige Britin – sie kann daher besonders gut sich in die Situation von nach Deutschland gekommenen Familien einfühlen. Ihr Rat an uns alle: „Just Do It“!
Stephanie, wie bist du zur ARCHE bzw. zum Freundeskreis DIE ARCHE Hamburg e.V. gekommen?
Mein Interesse wurde durch eine lokale Organisation geweckt, die Spendenaktionen für die ARCHE organisierte. Da ich mit Schulabgängern an ihrer beruflichen Orientierung arbeite und viele von ihnen in ihrem Gap Year zu Freiwilligenprojekten schicke, dachte ich, es wäre gut, „meine Worte in die Tat umzusetzen” und mich bei einem lokalen Projekt zu engagieren. Ich war schon immer von der Freundlichkeit der Mitarbeiter bei der ARCHE beeindruckt und arbeite sehr gerne mit Kindern, da ich erfahren habe, wie viel man bei jungen Menschen bewirken kann.
Was machst du hier genau ehrenamtlich?
Ich habe angefangen, bei den Hausaufgaben zu helfen, insbesondere in Englisch. Jetzt arbeite ich im Team Familie, wo ich eine Familie mit Kindern bei der Integration hier in Deutschland unterstütze. Ich besuche sie regelmäßig, bespreche mit ihnen alle Probleme, mit denen sie möglicherweise konfrontiert sind. Und helfe ihnen, wo ich kann. Ich betreue eine dreiköpfige Familie – eine Mutter und zwei Söhne.
Was ist leicht, was ist schwierig?
Ich denke, es ist hilfreich, dass ich keine Deutsche bin (ich bin Britin), da ich einen Großteil meiner Zeit damit verbringe, die Familie emotional zu unterstützen, da sie als Ausländer in einem neuen Land lebt. Die deutsche Bürokratie kann etwas knifflig sein!
Manchmal ist es schwierig, Grenzen zu setzen, wenn man ihre Geschichten hört, in ihre alltäglichen Probleme involviert ist und sieht, wie sie zu kämpfen haben. Aber man weiß, dass man ihnen die Mittel geben muss, sich selbst zu helfen.
Was motiviert dich?
Mich motiviert es, ein längerfristiges Projekt zu haben und speziell mit einer Familie zu arbeiten, wo man vielleicht mehr bewirken und eine Beziehung aufbauen kann. Ich habe auch großes Glück gehabt: Ich arbeite mit einer sehr sympathischen Familie zusammen. Sie sind wirklich glücklich, hier in Deutschland zu sein. Die Kinder sind jung und neugierig und haben großes Potenzial. Und ihre Mutter ist positiv, mutig und entschlossen.
Was hat dich überrascht?
Wie viel einfacher und natürlicher es ist, als ich gedacht hatte.
Wer viel gibt, der bekommt auch viel zurück. Geht diese Gleichung auch für dich als freiwillige Helferin auf?
Ohne Zweifel, wir lachen viel und es gibt viele besondere Momente. Ich fahre immer mit einem positiven Gefühl nach Hause, wenn ich daran denke, was wir gemeinsam erreichen. Und ich freue mich auf den nächsten Termin. Mir ist auch klar, dass ich als Mutter von drei Kindern, die alle schon aus dem Haus sind, über einen Erfahrungsschatz verfüge, den ich weitergeben kann.
Was sind die größten Herausforderungen?
Missverständnisse bei der Terminvereinbarung sowie die Zeitfindung in einem vollen Terminkalender!
Manchmal zu wissen, dass man bei manchen Themen nicht wirklich helfen kann, weil sie außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.
Ich weiß jedoch immer, dass ich mich an die ARCHE wenden kann, um Unterstützung zu erhalten, und dass sie voll und ganz hinter uns stehen.
Gibt es Situationen, die dich besonders berührt oder nachdenklich gestimmt haben?
Wenn ich die Kinder anschaue und daran denke, wie gut sie sich angepasst haben, nachdem sie aus ihrem Heimatland in die Ukraine und dann weiter hierher nach Deutschland gezogen sind. Sie sprechen bereits vier Sprachen.
Als wir gemeinsam zu unserem ersten Treffen mit meiner Familie gingen, trafen wir jemanden, den die Mitarbeiter von der ARCHE aus der örtlichen Kirche kannten. Als sie hörte, mit welcher Familie ich arbeiten würde, sagte sie, ich hätte wirklich Glück, diese Familie zu haben.
Ich bin auch berührt von ihrer Freundlichkeit untereinander und mir gegenüber.
Was glaubst du, was die Kinder und Jugendlichen durch deine Unterstützung gewinnen – über die Zensuren und Schulerfolgserlebnisse hinaus?
Ich helfe ihrer Mutter, die Erziehung ihrer Kinder zu kalibrieren, da sie von ihrem Vater getrennt ist.
Ich suche nach Möglichkeiten, ihre Entwicklung außerhalb der Schule zu fördern. Sei es durch kreative Aktivitäten, Ausflüge oder neue Projekte für sie.
Ich bin ein Gesprächspartner für alle ihre Themen.
Ich helfe ihnen auch bei der Logistik, hole sie gelegentlich von der ARCHE oder ihre Mutter von ihrer Arbeit ab und bringe sie viel schneller nach Hause, als es mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich wäre: Oder ich bringe sie zu Arztterminen.
Manchmal bringe ich meinen Hund mit, den die Kinder lieben. Er hat noch nie so viel Aufmerksamkeit bekommen!
Was würdest du Menschen sagen, die überlegen, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren?
Just do it – ich hatte Bedenken, dass mich die Verantwortung einengen würde und es zu viel für mich sein könnte, aber die Termine sind flexibel und man wird vom Team der ARCHE voll unterstützt. Außerdem wird man vor Beginn durch Workshops gut geschult und hat Zeit, sich an die Rolle zu gewöhnen. Ich empfinde die Erfahrung als bereichernd, da ich auch so viel lerne durch die Familie, mit der ich arbeite.
Das Gespräch führte Charlotte Hasselbach, Freundeskreis Die ARCHE Hamburg e.V.
