Skip to main content Scroll Top
Bürozeiten: Di. bis Fr. 09:00 - 14:00 Uhr

Hoffnung schenken – ARCHE-Unterstützerin Dorit Otto im Interview

Seit über neun Jahren begleitet die Dorit & Alexander Otto-Stiftung die Arbeit der Hamburger ARCHE. Und dies sowohl finanziell, als auch mit großem persönlichen Einsatz der Stifterin Dorit Otto. Beim 20jährigen Jubiläum des Standorts Hamburg wird sie Schirmherrin der Feier sein. Ein guter Anlass für uns, sie zu ihrem Engagement und zur ARCHE zu befragen.

Liebe Dorit Otto, die ARCHE Hamburg wird 20 Jahre alt. Sie unterstützen seit beinahe zehn Jahren das Projekt. Und dies nicht nur finanziell, sondern auch mit einem großen persönlichen Engagement. Mögen Sie uns von Ihrer „Initialzündung“ berichten?

Die ARCHE war uns natürlich schon lange ein Begriff und wir haben ihre wertvolle Arbeit für Kinder und Jugendliche immer sehr geschätzt. Als mein Mann und ich damals im Abendblatt von dem schweren Wasserschaden am Standort Jenfeld gelesen haben, hat uns das sehr bewegt. Uns war sofort klar, dass wir helfen möchten. Ich mache mir in solchen Situationen gerne selbst ein Bild, um zu verstehen, was gebraucht wird und wie wir am sinnvollsten unterstützen können. So führte mich mein erster Besuch 2017 in die ARCHE Jenfeld.

Die Dorit & Alexander-Otto-Stiftung übernahm die maßgeblichen Kosten für die Sanierung. Wir erinnern uns noch gut an Ihren damaligen Besuch in der ARCHE. Wie war Ihr Eindruck?

Ich war tief beeindruckt von der Arbeit, die in der ARCHE geleistet wird. Ich habe erlebt, mit wie viel Herzblut und Engagement die Mitarbeitenden für die Kinder da sind – und wie viel diese Unterstützung auch für die Familien bedeutet. Das hat mich sehr berührt. Besonders angesprochen hat mich auch die christliche Ausrichtung des Hauses, die Werte vermittelt, ohne sich aufzudrängen. Das Konzept, Kinder über viele Jahre hinweg zu begleiten und ihnen echte Perspektiven zu eröffnen, hat mich überzeugt. Nach meinem Besuch war mir schnell klar, dass neben finanzieller Hilfe auch fachliche Unterstützung für die Sanierung gebraucht wurde. Deshalb konnten wir mit Jens Kohlmorgen einen erfahrenen Bauherrenberater aus unserem Netzwerk gewinnen. So konnten wir dazu beitragen, dass die Kinder und Jugendlichen so schnell wie möglich wieder einen verlässlichen Ort haben – und gleichzeitig ein Zeichen der Wertschätzung für die engagierten Menschen setzen, die sich dort jeden Tag für sie einbringen.

Sie stehen seitdem treu an der Seite der ARCHE. Auch zur Eröffnung von Harburg hat die Stiftung stark beigetragen und danach noch weiter unterstützt. Dabei hatten Sie zuvor auch Sorge geäußert, ob die Hamburger ARCHE drei Standorte wirklich stemmen könne. Ein Zeichen dafür, dass Sie schon gedanklich tief mit in den Prozessen waren. Was hat Sie dann zu Ihrem innerlichen „Ja“ zu ARCHE Nummer 3 bewegt?

Es ist schon sehr besonders, mit wie viel Einsatz und Nachhaltigkeit Kinder und Jugendliche in der ARCHE begleitet werden. Deshalb hatte ich inhaltlich keinen Zweifel daran, dass ein weiterer Standort im Phoenix-Viertel sinnvoll ist. Zunächst war ich dennoch zurückhaltend, weil mir wichtig war, dass die bestehenden Standorte dadurch nicht geschwächt werden. In den Gesprächen mit Tobias Lucht wurde aber deutlich, dass beides möglich ist: die bewährte Arbeit fortzuführen und gleichzeitig neue Kinder zu erreichen. Das hat mich überzeugt. Für mich war dann klar, dass wir den Weg der ARCHE weiter mitbegleiten und somit auch den Aufbau des neuen Standorts in Harburg unterstützen.

Über 70 Projekte wurden in den vergangenen 15 Jahren insgesamt von der Dorit & Alexander-Otto-Stiftung gefördert. Hinter allen stehen Sie und Ihr Mann inhaltlich und persönlich. Was sind für Sie Alleinstellungsmerkmale der ARCHE?

Uns haben nicht nur die professionelle, nachhaltige Arbeit und die große persönliche Einsatzbereitschaft beeindruckt, sondern vor allem die Herzlichkeit und Verbindlichkeit, mit der die Menschen in der ARCHE den Kindern und ihren Familien begegnen. Man spürt, dass hier jeder mit ganzem Herzen dabei ist. Genau diese Mischung hat uns überzeugt und ist für uns die Grundlage, ein Projekt langfristig zu begleiten. Mit unserer Förderung möchten wir den Mitarbeitenden vor allem Planungssicherheit geben und ihnen zeigen, dass ihr außergewöhnliches Engagement gesehen und wertgeschätzt wird – gerade angesichts der vielen Herausforderungen, denen sie sich Tag für Tag stellen.

Wie hat sich die ARCHE Hamburg aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren weiterentwickelt? 

Neben dem Ausbau der Standorte hat sich auch die inhaltliche Arbeit der Hamburger ARCHE in den letzten Jahren deutlich und eindrucksvoll weiterentwickelt. Aus einer Institution, die vor allem jüngeren Kindern einen sicheren Ort, Mittagessen und Hausaufgabenhilfe bot, wurde über die Zeit ein umfassendes Unterstützungsnetzwerk für Kinder, Jugendliche und ihre Familien! Durch intensivere Elternarbeit ist es nun sichtbares Ziel der ARCHE, den gesamten Familienverband zu stärken.

Darüber hinaus ist durch den stärkeren Fokus auch auf Jugendliche und ihre individuelle Förderung wie das „Mutmacher Projekt“ eine lang angelegte Begleitung auch für ältere Kinder das Ziel. Mit all diesen Maßnahmen reagiert die ARCHE in den letzten Jahren eindrucksvoll auf viele gesellschaftliche Herausforderungen und passt sich auch immer wieder neuen Anforderungen an. Dies ist für mich sicher ein ganz großer Teil der Erfolgsfaktoren der ARCHE.

Was benötigen junge Menschen am allermeisten, um gestärkt in die Zukunft zu blicken?

Die Zeiten, in denen wir leben, sind nicht einfach. Ich denke daher, dass Dinge wie Zugang zu guter Bildung, verlässliche und stabile Beziehungen in einer Gemeinschaft, echte Perspektiven und Zuversicht sowie ein gesundes Selbstwertgefühl und das Wissen, gebraucht und geschätzt zu werden, nach wie vor wichtige Parameter für junge Menschen sind.

Ein Mensch, der an einen glaubt, zuhört, vielleicht auch Vorbild ist und ein Ziel aufzeigt, kann hier schon einen echten Unterschied machen und Halt geben. Und genau bei diesen Themen setzt die Arbeit der ARCHE zuverlässig und nachhaltig an.

Auch die Vorbereitungen für das Jubiläum haben Sie von Anfang an engagiert begleitet und bei der Vorbereitung geholfen. Was wünschen Sie sich für dieses Fest?

Ich wünsche mir, dass dieses Jubiläum für die Kinder und Jugendlichen ein unvergesslicher Tag wird – voller Freude, Staunen und schöner Erinnerungen. Das Thalia Theater ist für viele von ihnen ein Ort, den sie vielleicht zum ersten Mal erleben. Solche Momente können neue Perspektiven eröffnen und zeigen, dass Kultur für alle da ist. Mit Rolf Zuckowski, Yared Dibaba und Zoe Wees haben wir wunderbare Gäste, die Kinder und Jugendliche auf ganz besondere Weise erreichen. Gleichzeitig soll dieser Tag auch ein Dankeschön an die Mitarbeitenden, Freunde, Unterstützer und Förderer der ARCHE sein. Mit ihrem täglichen Einsatz schenken sie so vielen jungen Menschen Hoffnung und Zuversicht – und dafür verdienen sie große Anerkennung.

Und was wäre Ihr größter Wunsch für die Hamburger ARCHEN?

Ich wünsche den Hamburger ARCHEN, dass sie auch in Zukunft vielen Kindern und Jugendlichen Hoffnung und Halt schenken sowie Chancen eröffnen können. Es wäre schön, wenn die ARCHE ihre wertvolle Arbeit langfristig und ohne finanzielle Sorgen fortsetzen könnte – denn jedes Kind verdient eine gute Zukunft.

Hamburg galt immer als eine Stadt der Stifter und des bürgerschaftlichen Engagements. „Helfen ist unsere Verantwortung“ haben Sie als Ihr Motto auf die Stiftungs-Homepage gebracht. Gibt es etwas, was Sie Menschen raten würden, die sich gesellschaftlich einbringen möchten?

Ich freue mich über jeden Menschen, der bereit ist, sich für andere einzusetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Zeit oder finanzielle Unterstützung einbringt – jeder kann mit seinen ganz persönlichen Stärken etwas bewirken. Aus meiner Erfahrung gibt ehrenamtliches oder gesellschaftliches Engagement nicht nur anderen etwas, sondern bereichert auch das eigene Leben. Wer sich mit offenem Herzen auf Menschen einlässt, schenkt Hoffnung und bekommt oft genauso viel zurück.

 Die Fragen stellte Stefanie Schütte-Schneider (Freundeskreis Die ARCHE Hamburg)